Niklashausen

PFEIFER VON NIKLASHAUSEN
NIKLASHAUSER FAHRT
1476

 

Der Pfeifer von Niklashausen.
Ein Film von A. Jungraithmayr (1986)

"Die öffentliche Uraufführung des Films "Der Pfeifer von Niklashausen" von Alfred Jungraithmayr - mit dem Prädikat "besonders wertvoll" - fand im März 1986 als Teil der Erinnerungsarbeit des Traum-a-Land e.V. sowohl im Wertheimer Roxy-Filmtheater als auch im Saal der Kulturkneipe "Pfeiferhannes" in Hirschlanden statt. "Der Pfeifer von Niklashausen" ist ein in der Literatur oft verwendetes Motiv für Erzählungen, Romane und Kinderbücher. Selten sind hingegen die filmischen Darstellungen des Stoffes.

Anfang der 70er Jahre verfremdete Rainer Werner Fassbinder in seiner "Niklashauser Fahrt" die Ereignisse in südamerikanische Verhältnisse, was dazu führte, daß von der eigentlichen Pfeifer-Handlung kaum mehr etwas übrigblieb. 1981 wurde die Pfeifer-Geschichte im Film "Bundschuh" der Frankfurter Filmwerkstatt eingebaut und zu einem regionalen Portrait verarbeitet. Anders als diese filmischen Versuche geht der Film "Der Pfeifer von Niklashausen" von Alfred Jungraithmayr, in Coproduktion mit dem WDR 1982 gedreht, mit dem Stoff um. Für Jungraithmayr ist die Pfeifer-Geschichte eine Ketzergeschichte, die noch bis in unsere Zeit hinein einen Bann ausstrahlt. Den Hintergrund des Films bildet der Versuch von Bürgern und Bürgerinnen von Niklashausen, die Geschichte des "Pfeifers" in einem Theaterstück aufzuführen. Damit spielt ein Ort seine eigene Geschichte und spielt alte Schwierigkeiten mit hoch, damit steigen die Niklashäuser BürgerInnen ein in die eigene Historie, diskutieren die Motive ihres großen Sohnes Hans Beheim, werden aber zunehmend mit Erinnerungen an die Ketzergeschichte konfrontiert. Immer noch lastet ein unsichtbarer Bann über der Person und der Geschichte der Pfeifers, denn er gilt immer noch als Ketzer. 1902/03 wurde als Folge einer harmlosen, vielmehr hurrapatriotischen Pfeifer-Aufführung der Ort von den benachbarten Dörfern gemieden, die örtliche Mühle boykottiert, vor den Gasthäusern ausgespuckt, und in den umliegenden Dörfern gegen die Niklashäuser gehetzt.

Auch der erneute Versuch 1982 ein Theaterstück des Pfeifers im Ort aufzuführen, scheitert, allerdings nicht aufgrund äußeren Druckes, sondern eher aus fehlender Regie und innerer Entschlußkraft der Theaterspieler. Die Kamera begleitet diesen Prozeß vom ersten Zusammentreffen bis zu fragmentarischen Auftritten vor der Würzburger Festung. In Einzelszenen wird verfolgt, wie sich die Bürger zur Idee des Pfeifers und zur Theateraufführung stellen. Franz Flegler, der Ortschronist, liefert die Hintergrundinformation zur Geschichte des Pfeifers. Hans-Dieter Schmidt, der Autor des Theaterstückes, erläutert sein Verständnis des Pfeifers und gibt Vorschläge, wie das Stück zu verstehen und zu spielen sei.

Die Kamera bleibt aber nicht in dieser Realität, in der bloßen Dokumentation dieses schwierigen Umgangs mit der eigenen Geschichte hängen, sondern macht sich immer wieder auf, Bilder und Motive des Pfeifers in der fränkischen Landschaft zu suchen: eine Schafherde (Hans Beheim war Hirte), das violette Licht hinter einem gebleichten Bildstock, Frühsommerregen und immer wieder die überall präsenten Bildstöcke (als steingewordene Sinnbilder von Leidensgeschichten). Die Ruhe und gleichzeitige Unruhe dieser Bilder mündet im Zitat von Ernst Bloch, der den Bauernkrieg und auch das Vorspiel des Pfeifers von Niklashausen mit seiner Utopie eines "Reiches der allgemeinen Brüderlichkeit" mit der Vision, daß "Fürsten und Geistliche gleichviel besitzen müßten wie der gemeine Mann", als "Umgang des ältesten Traums, als breitester Ausbruch der Ketzergeschichte, als Ekstase des aufrechten Gangs und des geduldlosen, rebellischen, ernstlichsten Willens zum Paradies" bezeichnet.

Gerade die entsprechenden Bilder dazu, geben Zeit, die mitlaufende Handlung zu durchdenken und setzen eigene Phantasie und Gedanken frei. Ein Film, der zu einer ungewöhnlichen Reise durch Landschaft und Geschichte, Land und Leute beobachtend, einlädt. Viele der im Kino anwesenden und als Darsteller mitwirkenden Niklashäuser konnten sich so erstmals selbst auf einer Kino-Leinwand sehen, ihr eigenes Schauspiel, den eigenen Ort aus filmischer Perspektive entdecken."

 

 

Niklashauser Fart
Ein Film von Rainer Werner Fassbinder und Michael Fengler.

Gedreht im Mai 1970 mit Michael König, Hanna Schygulla, Rainer Werner Fassbinder, Michael Gordon, Walter Sedlmayr, Margit Carstensen, Kurt Raab, Günther Rupp, Günther Kaufmann u.a. Kamera: Dietrich Lohmann. Musik: Peer Raben, Amon Düül II.
DVD Video, Arthaus, Kinowelt 2005

Wie lange haben wir darauf warten müssen? Im Oktober 1970 erfolgte die Uraufführung der Fassbinderischen „Niklashauser Fart“ in der ARD und danach war für dieses Werk, das ein wichtiges Kapitel der tauberfränkischen Geschichte im Titel führt, absolute Sendepause. Versuche den Film aufzuführen, scheiterten an der Aussage, der Film sei beschädigt; ein angesetzter Sendetermin im Fernsehen wurde glatt abgesetzt. Und nun legt die Kinowelt zum 60. Geburtstag von Rainer Werner Fassbinder Ende 2005 eine DVD vor, die die Niklashauser Fart im Heimkino ermöglicht.

Selbstverständlich ist das Auftreten des Pfeifer-Hans von Niklashausen im März 1476 historischer Stoff genug, die aufbrechende Zeit und die ihre Zeit in Worte packende Botschaften des Pfeifers zu interpretieren und zu vermitteln. Der am „Antiteater“ involvierte Fassbinder hält sich nicht an diese Selbstverständlichkeit, sondern nutzt den historischen Stoff um den 70er Jahren den Revolutionär zu machen. Was hätte das für ein historisches Ereignis für Tauberfranken werden können, wenn Fassbinder die Niklashauser Fart geschichtlich und regional interessiert inszeniert hätte? Selten war in Tauberfranken die Irritation über einen Film in einem solchen Maß erreicht wie in der Niklashauser Fart. Ein regionalgeschichtlicher Filmbezug ohne jeglichen Bezug auf die eigentliche tauberfränkische Region – ein echter Antiregiofilm –, das konnte wohl nur einem bayerischen Regisseur einfallen!

Und als der Film begann, kam es noch verfremdeter! Ein unverputzter Neubau mit nackten Backsteinen, in dem Fassbinder, Schygulla und ein in historisches Gewand Gehüllter umherspazieren und unvermittelt über allerlei revolutionäre Leitkulturfragen disputieren: Wer braucht die Revolution? Wer macht die Revolution? Wer bereitet sie vor? Dürfen einige wenige eine Revolution machen? Dürfen diese Wenigen, wenn die revolutionäre Agitation nicht verfängt, andere Mittel einsetzen? Dürfen Wenige eine Revolution inszenieren? Dürfen die Wenigen Theateraffekte verwenden, um die Agitation wirksamer zu machen? Was sollte das? Was hatte das mit dem Pfeifer von Niklashausen zu tun? Was hatte die wenig fortgeschrittene Baustelle der Revolution mit der Niklashauser Fart gemein?

Fassbinder schert sich nicht im Geringsten um die Historie, um geschichtliche Exaktheiten. Er will die Gegenwart, die Fragen der Gegenwart, die Zeichen der Zeit, - bzw. das was man in den 70er Jahren dafür hielt - aufbereiten. Ein wilder Kulturmix der Zeitstile, der Moden, der Kleidungen, der Ereignisse wird von ihm angestrebt, damit sich auf keinem Fall irgendeine historische Behaglichkeit beim Zuschauenden einschleichen kann. Der Zuschauer kriegt auf entstellende Weise aufs Auge gedrückt, dass es hier nicht um die Vergangenheit geht, dass hier keine kontemplative Zuschauerei erwünscht ist, die die Geschichte im Ohrensessel sitzend vorbeigleiten lässt. Geschichte wird gemacht, es geht voran! Noch aber fehlt der Revolution die Masse, das revolutionäre Volk. Wie die Massen bewegen, in Bewegung bringen? Etwa mit Religion, dem adäquaten Opium für das Volk?

In der zweiten Filmszene tritt endlich der längst Erwartete vor dem Eingang einer Dorfkirche in Erscheinung: Hans, der smarte Hippie mit der scharfen Botschaft, die in dieser Filmszene noch stark marienreligiös eingenebelt ist: „Tuet Buße, huldigt der Jungfrau“. Aber auch schon die bekannten Quertöne des Pfeifers: „Ihr sollt den Adel schlagen, wo Ihr ihn trefft“, „Auf zur Wallfahrt nach Niklashausen“. Wieder findet die Perspektive der unruhigen Kamera die ungewohnte Verklammerung von Historie und Gegenwart, der Pfeifer im historischen Gewande, Fassbinder in Lederjacke, ein Dörfler im auffällig unschicken Sonntagsanzug, der Szene abgewandt.

Rainer Werner Fassbinder, entweder mit Kippe oder Bierflasche bewaffnet, den schwarzen Mönch gebend, also den historisch bekannten Einsiedler-Begharden, entspricht genau der Rolle des Einblasenden, mit der viele Pfeifer-Interpreten die Gedanken und Worten des Pfeifers niederdrücken wollen, um den revolutionären Gehalt der pfeiferischen Botschaften anzuschwärzen. Der filmende, einübende, eintrichternde und darstellende Regisseur als Regisseur der aktuellen Revolution – eine Wunschrolle Fassbinders? Wer das Fassbinder eingeblasen hat?

In mehreren Szenen wagt sich Mönch Fassbinder und ihm folgend der Pfeifer-Hans an die Bestimmung des kapitalistischen Warenwertes, an den darin enthaltenden Wert der eingebrachten Arbeitszeit heran. Das erinnert an die jeden Gedanken an eine Umwälzung der Gegenwart vertreibenden Schulungen der Marx’schen Kapitallehre, mit der die Linke die arbeitende Bevölkerung in den 70er Jahre zur Bewusstseinsbildung traktieren wollte. Bei solchen anstrengenden Gedankenübungen blieb der Prolet doch lieber beim vom ihm bevorzugten Genuß der Bildzeitung, die seinen aktuellen gesellschaftlichen Bedürfnissen weitaus mehr entsprach. Eher erlernte ein Manager aus der Marxlektüre den Produktionsprozeß des Kapitals zu verstehen als dass ein Prolet seine knappe Freizeit in die Bestimmung des Tauschwertes „20 Ellen Leinwand = 1 Rock“(Im Film geht es angepaßter um das Verhältnis Aufwand der Jagd auf einen Bären zu der auf einen Hirsch) investierte. Mit derlei Abstraktionen war nun wahrlich kaum eine Revolution zu machen, höchstens marxistisches Halbwissen und Ka(u)derwelsch zu dokumentieren.

Die Kritik der politischen Ökonomie, die Darstellung des Produktionsprozesses des Kapitals – eine echte Durststrecke für jeden, der nicht die blauen Bände der MEW sein eigen nennt! Und dann doch eine echte Offenbarung in all dem gesellschaftlichen Elend der Verhältnisse: Hanna Schygulla, das sexy Gesicht der Revolution, spielt die Rolle der Johanna so aufreizend erotisch, dass sich wiederum jede revolutionäre Bewegung begrüßen lässt, die solche Frauenbilder hervorbringt. Als „Unsere heilige Jungfrau“ auftretend bringt sie beim Betrachter unheilige Wünsche empor, als Stimme der Revolution legt sie der Mutter Gottes knallhart formulierte Angriffe auf die Herrschenden in den Mund, das bäuerische Volk auffordernd die Zeichen eines notwendigen Widerstandes zu erkennen, um den gewaltsamen Aufstand zu wagen. Eros für das Volk, das wahre Opium!

Doch der Fassbinderische Pfeifer, trotz leichter, schneller Anfangskontakte mit der ihm umturtelnden, ihn begehrenden Johanna, vertraut mehr seinen marienkultigen Eingebungen, seinen radikalisierenden Botschaften als seiner eigenen Körperlichkeit, versteht nicht die Warnungen von Johanna, die ihn ob seiner bäuerlichen Naivität, ob seiner Fremdsteuerung aufklären will. Der Pfeifer-Hans tritt immer sozialistisch bewusster auf, versingt sich aber in einem Loblied auf Lenin. Körperlicher geht es dagegen beim Angriffsobjekt des Pfeifers zu, dem Bischof, der in seiner Residenz, einem wahren Lotterladen, von jungen Lustknaben umringt wird. Kurt Raab als jugendlich lüstener Bischof wälzt sich mehr im Liebesvergnügen mit dem zahlreichen männlichen Personal umher als dass er als Bischof waltet oder Macht entfaltet. Ein Bewohner des Dorfes Niklashausen, dem Bischof treu ergeben, als Spitzel dienend, informiert über die Aktivitäten des Pfeifers und seiner Anhänger, über das Ziel, ihn den Bischof anzugreifen; das Dorf selbst liefert den Pfeifer an die Oligarchie aus, das Dorf frisst die eigene Revolution.

Günther Kaufmann, in der Niklashauser Fart der adonishaft wirkende Jimi Hendrix der bäuerlichen Revolution, ist bei einem kurzen musikalischen Auftritt von Amon Düül II - der diletantisch westdeutschen Vermischung von Frank Zappa und Jefferson Airplane -, der bei weitem nicht ganz so chaotisch verläuft, wie uns die laue Erinnerung an die 70er vorgibt, in einer bequemen Liegeposition zu beobachten, von mehreren Frauen umlagert, die seinen Körper bestreicheln. Auch hier die obligatorische Zigarette im Einsatz. Ansonsten eher gedämpfte Ekstase, eine spärlich entwickelte Orgie, mehr Alkohol als Joint im Spiel; eine Cocacolaflasche demonstriert, dass es mit dem Antiamerikanismus der 70er Jahre nicht weit her war. Er übernimmt die Rolle des Commandante, des revolutionären und bewaffneten Führers der Stadtguerilla, die sich zum Kampf stellt, die Revolutionshoffnungen weiterträgt, auch nachdem die Niklashauser Fart den Pfeifer-Hans nach seiner Gefangennahme auf den Scheiterhaufen führt, die Anhänger des Pfeifers von der MP des Bischofs niedergemetzelt wurden. Hans wird auf einem Autofriedhof verbrannt, der Bischof fährt mit einem Mercedes 600 mit Münchener Kennzeichen vor, gibt seinen Segen dazu, der Chor seiner Lustknaben trällert als Ensemble unkeuscher Domspatzen.

Fassbinder lässt die Niklashauser Fahrt nicht mit der Verbrennung des Pfeifers, mit der Niederlage der Aufständischen enden, sondern hebt mehrfach zum revolutionären Schlussakkord an. Aus Niederlagen muß die Revolution lernen, die Taktik ändern, die proletarische Weltrevolution anstreben, die gesellschaftlichen Verhältnisse entscheidend verändern. Nochmals folgt ein Auftritt auf der Baustelle der Revolution, ein Traktat wird vorgelesen über die echten Bedürfnisse des Menschen. Echte Bedürfnisse werden sich erst in der Revolution entwickeln, erst mit der Revolution herausarbeiten. Diese Botschaft kommt allerdings dem Erlebnis orientierten Mensch der heutigen Zeit mit seinen voll ausdifferenzierten individualgesellschaftlichen Bedürfnissen etwas schräg daher und riecht eher nach Verzicht, wirkt eher als Reduktion des längst persönlich gestalteten Lebensstiles. Commandante Kaufmann führt seine Volksmassen zum Sturm auf die armierten Bastionen der Macht, er fuchtelt wild mit seiner Waffe umher und stößt den Slogan der 70er aus: „Macht kaputt, was euch kaputt macht.“ In der Verschmelzung von Zeit und Raum, von Historie und 70er Jahre Gegenwart ist die Niklashauser Fahrt auch ein prophetischer Film über das Scheitern der Roten Armee Fraktion, über die lächerlich grotesken Anmaßungen der maoistisch orientierten K-Gruppen, kaderhaft organisierte Anführer der westdeutschen proletarischen Bewegung zu sein.

Lassen wir Rainer Werner Fassbinder sprechen – in der Diskussion mit Michael Fengler, dem Co-Regisseur, um seine Intentionen der wenig historisch angelegten Inszenierung der Niklashauser Fart zu verdeutlichen:

„Die Geschichte des Films ist einfach. Da kommt einer und möchte gerne, dass die Leute ihre miesen Verhältnisse ändern. Dazu will er die Leute aufrufen. Aber zunächst einmal aber muss er sie dazu bringen, ihm überhaupt zuzuhören und ihm zu glauben. Er ist also gezwungen, mit Mitteln zu arbeiten, die den Leuten vertraut sind. Schließlich hat er sie auf seine Seite gebracht, aber mit den Mitteln von gestern. Und mit dem, was er ihnen jetzt über die schöne Zukunft von morgen sagt, können sie nichts anfangen. Es ist Teil ihrer miesen Lage, dass sie sich eine andere gar nicht mehr vorstellen können.

Hans Böhm scheitert daran, dass er die Aufklärung herzustellen versucht mit Techniken der Gegenaufklärung. Aber wie hätte er seine Arbeit sonst tun sollen?

Wir wollen keinen historischen Film machen, sondern wir wollen zeigen, wie und warum eine Revolution  scheitert. Dazu müssen wir jede historische Begrenzung, die uns dabei beengen würde, bewusst vernichten. Der Zuschauer darf nicht auf den Gedanken kommen: Ach ja, das geschah 1476. So ein Gedanke würde ihn beruhigen, aber er soll ja beunruhigt werden beim Zuschauen. Er soll sich ganz darauf konzentrieren, was die Leute in dem Film tun, nicht darauf, was sie dabei anhaben.

(Aus: Was wichtig ist. Rainer Werner Fassbinder und Michael Fengler über DIE NIKLASHAUSER FART. Aus einem Gespräch während der Dreharbeiten. In: Fernsehspiele im Westdeutschen Rundfunk Zweites Halbjahr 1970, S. 42-43. Siehe auch: Fassbinder Foundation - Niklashauser fart)

Insofern wurde der Pfeifer aus seiner angestammten Region Tauberfranken entführt, spielte die Geschichte des Pfeifers kaum eine Rolle, interessierte der historische Kontext wenig, wurde die Niklashauser Fart zum Teil der Weltrevolution, war der Jüngling in seinem 70er Jahre Gegenwartsbezug dem regionalgeschichtlich Interessierten völlig entfremdet. Fassbinder ist es gelungen, in der Niklashauser Fart die tauberfränkische Geschichts-Ästhetik genauso zerdeppernd zu zerschlagen wie der Dorfrichter Adam den Krug. So wurde der Pfeifer-Hans als historischer Stoff auf dem Altar der Weltrevolution geopfert. Die Weltrevolution indes blieb aber bis heute aus.

 

 

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